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In der Behandlung von orthopädischen Erkrankungen und Verletzungen nimmt die physikalische Therapie mit all seinen kältetherapeutischen und balneophysikalischen Therapiemaßnahmen eine zentrale Rolle eine.

Kryotherapeutische oder auch eistherapeutische Verfahren haben hierbei eine sehr lange Tradition aufgrund ihrer guten Wirksamkeit. Diesbezüglich seien einmal die bekannten Kneipschen Wechselbäder (als Kalt-Heiß-Tretbäder) erwähnt. Neben der lokalen Kälteapplikation, beispielsweise durch Cool-Packs oder durch Kaltluft, kommt in Deutschland seit etwa Mitte der achtziger Jahre auch die Ganzkörper-Kältetherapie mittels Kältekammer zum Einsatz.

In unserer orthopädischen/sportorthopädischen Praxis in Bonn setzen wir die lokale Kältetherapie ein. Wir verwenden sie hier vor der Applikation von Spritzen insbesondere in die peripheren Gelenke (Ellenbogengelenk, Handgelenk, Fingergelenk, Hüftgelenk, Kniegelenk und Sprunggelenk sowie die kleinen Fußwurzelknochen und Fußgelenke). Die Eisbehandlung dient nicht nur einer systemischen Kühlung und wird damit als antientzündliche Therapie eingesetzt, sie dient auch der Desinfektion durch starke Kühlung. Durch die Einwirkung von Kältereizen auf den Körper oder insbesondere das verletzte oder beeinträchtigte Gelenk werden drei zentrale Effekte erzielt. Diese beeinflussen das geschädigte Gewebe über die Reizstärke (Temperatur), die Reizqualität (Art der Applikation) sowie die Reizdauer (Einwirkzeit). Es findet eine Reduktion des Muskeltonus, eine Abnahme der Schmerz- und entzündlichen Aktivität statt. Hierbei lassen sich die systemischen und lokalen Wirkungen nicht immer exakt voneinander trennen. In unserer sportmedizinischen und orthopädischen Arbeit verwenden wir eher die lokalen Vorteile der Kältetherapie. Bei längerer Anwendung erzielen wir nicht nur eine Reduktion der Muskelspannung und eine Abnahme des Schmerzes, sondern wir heben insbesondere auf die physiologische Wirkung im Hinblick auf Reduktion der entzündlichen Aktivität eines Gewebes ab.

 

Durch Kälte wird das sympathische Nervensystem aktiviert und es kommt zu einer vermehrten Freisetzung von Noradrenalin. Dieses Noradrenalin vermittelt auf der Oberfläche von Monozyten und Makrophagen eine verminderte Freisetzung von proinflammatorischen Zytokinen, wie Interleukin 1, Interleukin 6 oder Tumornekrosefaktor (TNF). Noradrenalin vermittelt zudem eine Gefäßverengung der kleinen Gefäße, eine sogenannte Vasokonstriktion. Eine kurzfristige geringere Durchblutung des Hautareals und der darunter tieferliegenden, ebenfalls gekühlten Areale bedingt eine verminderte Perfusion und darüber wird ebenfalls ein antientzündlicher Effekt ausgenutzt. Die Kältetherapie hat heute bereits wissenschaftlich anerkannt seinen großen Stellenwert bei der Behandlung von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, ebenso in der Sportmedizin, Sportorthopädie und Orthopädie in der Behandlung von degenerativen Gelenkerkrankungen. Kontraindikationen werden bei der Behandlung berücksichtigt und vorher abgefragt.

 

Mit warmherzigen  Grüßen

 

Ihr Behandlungsteam
Praxis Dr. med. Jürgen Römer